Warum Forschende in der Schweiz absichtlich Mikroerdbeben auslösen

12. Februar 2026

In einem unterirdischen Forschungslabor im Tessin planen Wissenschaftler, kontrollierte Mikroerdbeben herbeizuführen. Diese Ereignisse, die eine Magnitude von lediglich 1 aufweisen sollen, liegen weit unter der menschlichen Wahrnehmung und sind darauf ausgelegt, das Verständnis von Erdbeben und deren Vorhersage zu verbessern. Diese innovative Forschung könnte das Bebenmonitoring revolutionieren und wertvolle Erkenntnisse über die seismischen Vorgänge in der Schweiz liefern.

Der Hintergrund der Mikroerdbebenauslösung

Das Forschungsteam, angeführt von Experten der ETH Zürich und des Schweizerischen Erdbebendienstes, plant diesen Versuch im Rahmen des Projekts „Fault Activation and Earthquake Rupture“ (FEAR). Mit einer finanziellen Unterstützung von 14 Millionen Euro durch den Europäischen Forschungsrat, wird ein neuer Tunnel im BedrettoLab errichtet, der sich parallel zu einer natürlichen Verwerfung erstreckt. Hierbei wird Wasser unter hohem Druck in das Gestein gepumpt, um Beben zu induzieren und die Bewegungen im Untergrund genauer zu untersuchen.

Die Technik hinter den Mikroerdbeben

Die Herausforderung besteht darin, einen Gesteinsblock von 50 Metern Länge um lediglich einen Millimeter zu bewegen. Obwohl diese Verschiebung minimal erscheint, wird sie durch mehr als 1.000 Meter Fels überlagert, was das Experiment besonders komplex macht. Durch diesen Prozess sollen die Wissenschaftler wichtige Fragen klären:

  • Wie verhalten sich Gesteinsmassen unmittelbar vor einem Erdbeben?
  • Welche Faktoren tragen dazu bei, dass ein Beben stoppt?
  • Wie können wir zukünftige Ereignisse besser vorhersagen?

Risiken und Chancen der Forschung

Die Wahrscheinlichkeit, dass durch diese künstlichen Erdbeben an der Erdoberfläche Schäden entstehen, ist äußerst gering. Die Wissenschaftler streben an, das Risiko für schwerwiegende Erschütterungen unter 1 zu 10.000 zu halten. Dieses verantwortungsbewusste Vorgehen ermöglicht es, neue Wege zu beschreiten, ohne dabei die Sicherheit der Umgebung zu gefährden. Letztendlich ist das Ziel dieser Forschung nicht nur das Verständnis von Erdbeben, sondern auch die Verbesserung präventiver Maßnahmen zur Erdbebenvorhersage.

Zukunftsausblick und Bedeutung für die Seismologie

Die Erkenntnisse, die aus diesen kontrollierten Beben gewonnen werden, könnten einen bedeutsamen Beitrag zur Geophysik leisten. In einem Zeitalter, in dem Naturkatastrophen immer häufiger auftreten, ist es entscheidend, den Einfluss von Tektonik und Erdbewegungen besser zu verstehen. Wissenschaftler hoffen, durch diese Experimente die Grundlagen für ein effektiveres Bebenmonitoring zu legen und möglicherweise den Menschen in betroffenen Gebieten mehr Sicherheit zu bieten.